Moment bitte…(13. KW 2018)
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Moment bitte…(13. KW 2018)

manchmal muss man erkennen, wann es vorbei ist. Wenn es in der 89 Minute 4:0 für den Gegner steht, kann man sich die Grätsche im eigenen Strafraum sparen. Das wird nichts mehr.

So ungefähr fühlte sich das am Morgen des 19. März 2018 an. 22 Behördenvertreter hatten sich zu einer Besprechung bezüglich der Ortsumgehung Mudersbach im Rathaus versammelt. Mit Hoffnungen, dass man eine Chance für die Realisierung gefunden hätte, sind Gemeindevertreter in diesen Termin gegangen. Doch schnell wurde klar, das wird sehr ernüchternd – ja und sehr enttäuschend.

Sämtliche untersuchte Varianten sind aus Naturschutzgründen nicht realisierbar. Lediglich die Variante 3 (siehe Plan, nördlichste Variante) ist mit einer Ausnahmegenehmigung der Europäischen Union denkbar.

Was heißt aber „denkbar“? Lediglich äußerst wichtige europäische Projekte wurden dort genehmigt. Die Hafenerweiterung in Rotterdam und ein Trinkwasser-Speichersee im trockenen Spanien, sind als Beispiele zu nennen, bei denen einer Zerschneidung von Schutzgebieten zugestimmt wurde. Die Chancen mit der Ortsumgehung Mudersbach dort zu bestehen, die liegen nicht „bei“ Null, sondern darunter.

Und selbst wenn es eine Chance geben würde, muss man sich fragen, was dies dann für den Ortsteil Großaltenstädten bedeuten würde. Bei der Errichtung der Variante 3 müsste das Teilstück der Landesstraße zwischen dem Erdaer Kreuz und Großaltenstädten komplett zurückgebaut werden. Das würde für die Groß-Altenstädtener bedeuten, dass sie immer halbwegs über das Altenkirchener Kreuz Richtung Erda und Hohensolms fahren müssten. Ein großer Umweg und eine dadurch resultierende zusätzliche Belastung für die innerörtlichen Straßen und Feldwege.

Präsentiert wurden uns auch die aktuellen Zahlen der Verkehrsbelastung. Die sind an den Landesstraßen in Hohenahr relativ gleich hoch. Am westlichen Ortseingang von Erda fahren an Wochentagen täglich durchschnittlich 5.150 Fahrzeuge. Ca. 4.400 fahren durch Mudersbach und ca. 4.250 durch Hohensolms. Für uns alles gefühlt hohe Zahlen, aber im Hessenranking der umgehungsrelevanten Straßen ganz unten angesiedelt.

Also bleibt festzuhalten, dass weitere Gelder für kostspielige Untersuchungen und der Erstellung der Ausnahmeanträge ins Leere führen würden.

Daher hat die Gemeindevertretung letzte Woche diesen TOP in der Sitzung behandelt. Folgendes wurde beschlossen:

Die Gemeindevertretung beschließt auf die Forderung zum Bau einer Ortsumgehung für die Ortslage Mudersbach zu verzichten, wenn im Gegenzug Hessen-Mobil schriftlich erklärt,

  1. die Landesstraße 3053 auf eine Mindestbreite von 5,50 m (mind. Begegnungsverkehr zwei Kfz) zu ertüchtigen (Variante 0+); dabei ist ggf. das Brückenbauwerk vor der Ortslage Groß-Altenstädten ebenso zu ertüchtigen, damit größere Lastkraftwagen in beide Richtungen – sowohl von Mudersbach oder Erda kommend – abbiegen können (dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass es bei der Sanierung der Brücke im Zuge der Landesstraße 3287 vor der Ortslage Mudersbach (südliche Richtung) sowie der Sanierung der Landesstraße 3287 von Mudersbach zum Erdaer Kreuz und beim Bau des Kreisverkehrsplatzes ‚Erdaer Kreuz‘ zu erheblichen Störungen und Umleitungen in Kraftfahrzeugverkehr kommt!);
  2. in der Ortslage Mudersbach die Vorfahrtstraßenregelung durch bauliche Maßnahmen (z. B. durch Bordsteine, Pflasterungen, Aufweitungen, etc.) zu ändern (abknickende Vorfahrt in Fahrtrichtung Altenkirchen); im Weiteren ist die Gemeinde Hohenahr bereit, die Zustimmung zum Rückbau der Landesstraße 3287 zwischen Mudersbach und Niederweidbach auf die Breite eines Wirtschaftsweges zu erteilen (in Fahrtrichtung Niederweidbach nur noch Anliegerverkehr, ggf. Prüfung der Rückstufung), auch ist die Errichtung eines Kreisverkehrsplatzes/ Kreisels am Altenkirchener Kreuz in Folge des erhöhten Verkehrsaufkommens unabdingbar;
  3. die von Hessen-Mobil beabsichtigten Baumaßnahmen

3.1. Kreisverkehrsplatz (Kreisel) Erda (bereits in der fünfjährigen Ausbauplanung des Landes Hessen enthalten),

3.2. Brückensanierung Mudersbach (Landesstraße 3287),

3.3. Sanierung der Fahrbahn (Landesstraße 3287) auf die gesetzlich vorgegebene Ausbaubreite, werden in einem Zuge durchgeführt, damit die zu erwartende(n) Vollsperrung(en) der Landesstraße 3287 für die aufgelisteten Straßenbaumaßnahmen auf dem Streckenabschnitt zeitlich verkürzt wird (Ziel: Verkürzung der Bauzeit, geringere Störungen im FFH-Gebiet/ VSG-Gebiet und damit kürzere Umleitungsregelungen)

Ein weiteres Verschleppen der Entscheidung war nicht sinnvoll, da keine Alternative zur Verfügung stand. Daran kann keine Fraktion, kein Bürgermeister oder Bundestagsabgeordneter etwas ändern.

Verzögerung bedeutet in diesem Fall nur, dass der absolute erforderliche Kreisel am Erdaer Kreuz und die dann nun anstehende und unumgängliche Sanierung der L 3287 zwischen Mudersbach und dem Erdaer Kreuz weiter blockiert würden.

Daher ist es zwar wenig erfreulich, dass jahrelange Arbeit und das Kämpfen für eine Ortsumgehung umsonst waren, aber es ist gut, dass eine Entscheidung getroffen wurde. Es kann nun seitens des Landes Hessen weiter an unseren Forderungen gearbeitet werden und dafür gesorgt werden, dass es zu weniger Unfällen auf unseren Landesstraßen in Hohenahr kommt.

So sind die Fakten. „Alternative Fakten“ gibt es nur jenseits des ganz großen Teiches, aber nicht in Hohenahr.

Ja, die letzte Minute ist nun auch gespielt und ebenso die Nachspielzeit. Das Spiel ist aus. Leider. Aber packen wir es an, dass unsere Forderungen nun umgesetzt werden können.

 

Ihr Bürgermeister

Armin Frink