Endlich wieder frische Luft schnuppern! – Stallpflicht für Geflügel wird nach knapp vier Monaten aufgehoben
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Endlich wieder frische Luft schnuppern! – Stallpflicht für Geflügel wird nach knapp vier Monaten aufgehoben

Der Lahn-Dill-Kreis informiert:

Wetzlar/Dillenburg/Herborn (ldk): Geflügelhalter im Lahn-Dill-Kreis können wieder aufatmen: Die Stallpflicht ist aufgehoben. Das Land Hessen hat eine neue Risikoeinschätzung gemacht und gibt jetzt Entwarnung. 15 Wochen lang galt die allgemeine Aufstallungspflicht in Hessen – nicht nur zum Leid des Geflügels. Auch dessen Besitzer hatten es während dieser Zeit oft nicht leicht. Sie konnten ihren Tieren, die den Freiraum gewohnt waren, nicht richtig gerecht werden. Zusätzlich kam es immer wieder zu Unsicherheiten, Fragen kamen auf. Besonders deutlich hat das das Veterinäramt des Kreises zu spüren bekommen. An manchen Tagen hat das Telefon hier Sturm geklingelt. Ab jetzt kann endlich wieder Ruhe einkehren. Dr. Giuseppe Bosco vom Veterinäramt klärt noch einmal die wichtigsten Fragen rund ums Thema.

 

Warum war es für viele Geflügelhalter bei uns im Kreis so schwierig sich an die Aufstallung zu halten? Was waren die Probleme der Halter?

Die überwiegende Anzahl der Geflügelhalter im Lahn-Dill-Kreis sind kleine Privathaltungen mit etwa einem bis 30 Tieren. Diese Haltungen verfügen in der Regel nicht über professionelle Infrastrukturen. Die Geflügelhalter sind dann meist gezwungen zu improvisieren, um eine tierschutzgerechte Haltung der Tiere zu gewährleisten. Besonders hart trifft es dabei die Halter von Wassergeflügel. Für sie gelten wesentlich höhere Anforderungen. Nicht jeder hat eine überdachte und eingezäunte Wasserstelle im Garten. Gerade sehr tierschutzbewusste Tierhalter hatten deshalb besonders mit der Aufstallungspflicht zu kämpfen.

 

Warum wurde die Stallpflicht im Lahn-Dill-Kreis erst in der zweiten Runde aufgehoben? War die Gefahr durch das Virus hier größer?

Der Lahn-Dill-Kreis gehört zu den Kreisen mit einer sehr hohen Geflügeldichte. Außerdem haben wir hier viele Gebiete, die von Zugvögeln gern als Rast und Sammelplätze genutzt werden. An diesen Stellen ist das Risiko des Eintrags der Vogelgrippe am höchsten.

 

Wie groß waren die Auswirkungen der Vogelgrippe auf Geflügelbetriebe im Lahn-Dill-Kreis allgemein?

Nicht nur die bereits erwähnte Herausforderung der kleinen Privathaltungen bei uns im Kreis hat sich während der Aufstallungspflicht bemerkbar gemacht. Auch einige größere Betriebe wurden sehr gefordert durch die Vogelgrippe. Zum Beispiel der Tierpark Herborn. Hier wurden in Abstimmung mit dem Veterinäramt enorme Anstrengungen unternommen, um den Spagat zwischen einer tierschutzgerechten Haltung und einem möglichst geringen Risiko für die Tiergesundheit zu meistern. Weiterhin hat es einen größeren Bio-Legehennen-Freilandhalter im nördlichen Kreisgebiet betroffen. Hier mussten die Hennen aufgestallt werden. Die Eier mussten nach Ablauf einer bestimmten Frist als Bodenhaltungseier vermarktet werden. Das Ganze war eine große finanzielle Einbuße für den Unternehmer, da die Eier nur noch für einen Bruchteil des Werts verkauft werden konnten. Außerdem betraf es den Wildpark Herborn. Hier leben Nandus. Diese Vögel lassen sich nicht tierschutzgerecht aufgestallt halten. Also mussten die Tiere in regelmäßigen Abständen untersucht werden – auf Kosten der Stadt Herborn.

 

Zwischendurch war Ruhe um die Vogelgrippe eingekehrt. Im Kreis hat es keine neuen Fälle gegeben. Die Aufstallungspflicht galt aber weiterhin. Hat man etwas verschwiegen oder ist das Routine?

Die angesprochene Ruhe bekam nur mit, wer nicht im Bereich der Tiergesundheit tätig ist. Hessenweit gab es überall weitere Fälle von Vogelgrippe und deutschlandweit kamen die Meldungen über neue Fälle im Stundentakt rein. Das Virus war weiterhin vorhanden. Es war vielmehr Glück, dass wir nicht noch mehr Ausbrüche im Lahn-Dill-Kreis hatten. Bei der Entscheidung, ob die Aufstallung weiterhin bestehen bleibt oder aufgehoben wird, orientierten sich die Veterinäre eng an der aktuellen Risikoeinschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) in Greifswald. Dort sitzen die Experten für Vogelgrippe.

 

Wie sieht das aus mit der Risikoeinschätzung durch das FLI? Was wird da alles geprüft?

Das FLI berücksichtigt bei der Risikoeinschätzung die verschiedensten Faktoren. Es wird immer versucht das reale Risiko so genau wie möglich abzuschätzen. Natürlich lässt sich die Wirklichkeit nie vollständig abbilden. Beispielweise werden der zeitliche Verlauf, die Fallzahlen von an Vogelgrippe erkrankten Wildvögeln, die Wetterprognose sowie die Sonnenscheindauer mit einbezogen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist auch die Verbreitung der Seuche und die möglichen Kontakte und Überträger. Das nennt man dann gesamtepidemiologischer Zusammenhang.

 

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Vogelgrippe zurück kommt?

Die Vogelgrippe wird durch ein Influenzavirus verursacht. Wie bei der menschlichen Grippe auch verändert sich dieses Virus ständig. Daher wissen selbst die Experten vorher nicht, welches Virus kommt. Heißt: Theoretisch ist es möglich, dass das Virus jederzeit wiederkommt. Die Frage ist wann und wie schwer.

 

Wie verhalte ich mich, wenn ich jetzt einen toten Vogel finde?

Am besten kontaktiert man das Veterinäramt. Ein Vertreter wird raus geschickt und sammelt den Vogel ein. Der Vogel wird danach im Landeslabor untersucht.

 

Kann ich meinen Hund wieder bedenkenlos laufen lassen?

Hunde und Katzen können im Moment wieder bedenkenlos von der Leine gelassen werden. Trotzdem raten wir dazu weiterhin achtsam zu sein. Unsere Haustiere finden Tierkadaver, also auch verendete Wildvögel, interessant, können mit ihnen in Kontakt kommen und so eventuell vorhandene Erreger verbreiten.

 

Was ist Ihnen besonders wichtig?

Dass man versteht, warum die Aufstallung nötig war. Schon die Biosicherheitsmaßnahmen, die während der Vogelgrippe auch für kleine Geflügelhaltungen einzuhalten waren, trafen bei der Bevölkerung oft auf Unverständnis. Wenn man sich aber vor Augen führt, dass ein Spaziergang im Feld und ein anschließender Besuch im Stall mit denselben Schuhen den Tod aller Vögel bedeuten kann, so wächst doch das Verständnis. Ein gesunder Vogel ist das, was wir erreichen wollen. Das Wohl der Tiere stand und steht ganz klar im Mittelpunkt.

 

Weitere Fragen rund ums Thema

Alle Bürgerinnen und Bürger, besonders Geflügelhalter, die Fragen zum Thema haben, können sich gerne mit dem Veterinäramt des Lahn-Dill-Kreises in Verbindung setzen:

[email protected]
Tel. 06441 407-7711

 

Pressekontakt:

Nicole Zey, LDK-Pressestelle, Tel. 06441 407-1102
E-Mail: [email protected]